Mallorca Fakten & Wissenswertes

Wir leben jetzt schon über 25 Jahre auf Mallorca und sind hier Zuhause. Und dennoch: Jeden Tag machen wir neue Entdeckungen, lernen wir Neues über die Geschichte, die Kultur und die Menschen dieser wunderschönen Insel. Inzwischen haben wir auch eine stattliche „Mallorca-Bibliothek“, in der wir immer wieder stöbern, um die vielen Fragen unserer Freunde, Gäste und Kunden zu beantworten.  Einiges Wissenswertes über Mallorca können Sie auf dieser Seite finden. Wie wär`s mit einem „Mallorca-Quizabend“?

Wenn sie für die wenigen Tage mit regnerischem Wetter auf Mallorca mehr Geheimnisvolles, Unbekanntes, Interessantes und Heiteres erfahren wollen, können wir Ihnen die Bücher des Journalisten, Weltenbummlers und Mallorca-Kenners Axel Thorer „Lexikon der Inselgeheimnisse“ und „Liebeserklärung an Mallorca“ empfehlen sowie seinen Mallorca-BLOG www.mallorca-aaaxel.com, in den auch wir immer wieder gerne reinschauen.

Edith und Lutz Minkner 

Fakten von A – Z

Ausdehnung

Mallorca hat eine maximale Ost-West-Ausdehnung von 98 km und eine maximale Nord-Süd-Ausdehnung von 78 km. Die Küstenlinie misst 550 km.

Ein atemberaubender Blick entlang der Westküste

Einwohnerzahl

Mallorca hat 896.038 Einwohner (Staatliches Statistikinstitut 2019). Fast die Hälfte davon leben in der Hauptstadt/Gemeinde Palma, nämlich 416.065. Die einwohnerstärksten Gemeinden Mallorcas sind Calviá (50.559), Marratxi (37.193), Manacor (43.808), Llucmajor (36.914) und Inca (33.319). Die einwohnerschwächsten Gemeinden sind Escorca (212), Estellenc (315), Banyalbufar (515) und Deia (617). Mehrere Versuche einer Gemeindereform mit dem Ziel der Zusammenlegung kleiner Gemeinden mit größeren Nachbargemeinden ist immer wieder an der Sturheit der Gemeindevertreter gescheitert.

Ensaimada (Hefeschnecke)

Jeder, der schon einmal auf Mallorca war, kennt die Ensaimada de Mallorca  ein Spezialität der Insel mit seit 1996 „geschützter geografischer Angabe“. Sie hat die Form einer Zuckerschnecke. An der gewölbten Oberseite hat sie meist Puderzucker; an der Unterseite ist sie glatt und meist fettig. Die Ensaimada gibt es in unterschiedlichen Größen, ungefüllt zwischen 60 g und 2.000 g, gefüllt zwischen 100 g und 3.000 g. Schon im 17. Jahrhundert soll die Ensaimada auf Mallorca bekannt gewesen sein und auch Erzherzog Ludwig Salvator (1869 – 1891)hat sie in seiner Dokumentation „Die Balearen in Wort und Bild“ beschrieben. Es gibt zwei Arten der Ensaimada, einmal ungefüllt und einmal als Ensaimada mit Engelshaar (ensaimada de cabell d`angel), die mit süßer Kürbismarmelade gefüllt ist. Die Zutaten der Ensaimada sind Stärkemehl- 45 % – 56 %, Wasser – 18 % – 20 %, Zucker – 16 % – 20 %, Eier – 6 % – 10 %, Hefe  – 4 % – 6 % und Schweineschmalz (saim – daher kommt der Name) – 20 % – 25 %.

Die Ensaimada – die leckere süße Spezialität der Mallorquiner

Fläche

Mallorca hat eine Größe von 3.603,72 km².

Gemeinden Mallorcas

Mallorca hat 53 Gemeinden, das sind Gebietskörperschaften mit eigenem Rathaus, einem Bürgermeister und einem Gemeindeparlament. Die flächenmäßig kleinste Gemeinde Mallorcas ist Búger mit nur 8,29 km² und 1.050 Einwohnern. Die flächenmäßig größte Gemeinde Mallorcas ist Llucmajor mit 327,33 km² und 36.914 Einwohnern.

Die 53 Gemeinden Mallorcas auf einen Blick

Glasbäserei auf Mallorca

Mallorcas Glaskunst kann man überall im täglichen Leben sehen und bewundern: Tafelgeschirr, Lampen und Interior-Design aus Glas  schaffen in Luxusvillen ein kontrastreiches Ambiente, und in charmanten Landhäusern tragen sie zu einer stimmungsvollen Harmonie bei. Weitere Zeugnisse mallorquinischer Glaskunst finden wir in den prachtvollen, farbenfrohen Kirchenfenstern Mallorcas; ein besonders prachtvolles Beispiel ist das beeindruckende Rosettenfenster der Kathedrale mit einer Fensterfläche von fast 100 m².

Die Glasbläserkunst hat auf Mallorca eine lange Tradition. Obwohl schon die Phönizier 600 v. Chr. flüssiges Material in eigens dafür vorgesehene Ton- und Sandformen gossen und so die „Erfinder“ des Glases waren, ist es wohl erst mit den Römern nach Mallorca gekommen, wie Funde bei Ausgrabungen in der Altstadt von Alcúdia belegen. In den Jahrhunderten haben die Glasbläser ihr Handwerk und ihre Techniken immer wieder verfeinert. Im 17. Jahrhundert flüchtete ein Glasbläser aus dem für seine Glaskunst bekannten italienischen Ort Murano bei Venedig nach Mallorca und brachte dem Glasbläserhandwerk wesentliche technische und künstlerische Impulse. Die Glasbläsertradition wird heute im wesentlichen in drei Orten auf Mallorca ausgeübt, nämlich bei Vidrieries Gordiola in Algaida, bei S.C.L. Menestralia in Campanet und bei LaFiore in S`Esglaieta. In allen die Glasbläsereien kann man die „letzten ihrer Zunft“ bei ihrem einzigartigen Handwerk beobachten.

Mit einem Metallrohr (canya) ziehen die Glasbläser ein Stück der glühenden Masse aus dem Feuer und blasen sie zu kleinen Ballons auf. Mit Zangen bilden sie dann die endgültige Form und schaffen binnen Minuten aus dem geschmolzenen Material bunte Gläser, Lampen, Figuren und andere Kunstwerke – alles Unikate. Das geformte Kunstwerk wird dann mit einem scharfen Messer vom Rohr abgeschnitten und gekühlt. Bei Gordiola gibt es auch ein kleines Museum über die Geschichte der Glasbläserkunst, und in einem Shop kann man die Kunstwerke von Mallorcas Glasbläsereien erwerben.

Häfen

Mallorca verfügt über 43 Häfen. Viele von ihnen dienten ursprünglich nur der Fischerei, haben sich aber heute zu beachtlichen Yachthäfen mit rund 15.000 Liegeplätzen entwickelt

Der Hafen von Colonia Sant Jordi

Höhlen

Die Höhlen Mallorca sind noch ein weitgehend unerforschtes Gebiet. Die gesamte Insel ist von einem unterirdischen Höhlennetz durchzogen. Es soll etwa 4.000 Höhlen und Grotten geben. Bisher wurden etwa 300 sehr große Höhlen erforscht, von denen nur einige wenige der Öffentlichkeit zugänglich sind. Die bekanntesten sind die Coves del Drach mit einem 177 m langen, 30 m breiten und 14 m tiefen See (Porto Cristo), die Coves dels Hams, deren Steine an eine versunkene Stadt, Bauwerke, Tiere und Menschen erinnern (Porto Cristo), die Coves d`Arta (Arta) mit dem „Saal der tausend Säulen“ (Tropfsteinformationen), die Coves de Campanet mit bizarren Tropfsteinen und die Coves de Genova (Genova), die bis in eine Tiefe von 39 m führen. Die Höhlen, die zur Besichtigung freigegeben sind, wurden für die Touristen mit aufwendigen Lichtinstallationen, beleuchteten Booten auf kleinen Seen und klassischen Konzerten besonders attraktiv gemacht.

Höhle mit Stalaktiten und Stalagmiten

Klima

Mallorca wird zu Recht als Sonneninsel bezeichnet, hat sie doch am Tag durchschnittlich 7,9 Sonnenstunden. Die Insel ist geprägt durch ein gemäßigtes subtropisches Klima mit geringen Niederschlagsmengen. Im Sommer regnet es kaum, und die Temperaturen können bis zu 40 Grad steigen. Die Winter sind mild und feucht. Die durchschnittliche Regenmenge 550 Litern pro m²/Jahr.   Gelegentlich – besonders in den Bergen – kommt es auch zu Schneefällen.

Landschaftszonen

Mallorca wird in fünf Landschaftszonen eingeteilt: Serra de Tramuntana, Raiguer, Pla de Mallorca, Llevant und Migjorn

Landschaftszonen: Gelb: Serra de Tramuntana Dunkelblau: Raiguer Braun: Pla de Mallorca Hellblau: Llevant Grün: Migjorn Rot: Palma (Ciutat de Mallorca)

Mandeln

Bereits Anfang Januar öffnene sich die ersten Mandelbüten und entfalten dann ihre volle weiße bis rosafarbene Pracht bis Mitte Februar. Besonders zahlreich sind Mandelplantagen am Rande des Tramuntanagebirges, in den vom Gebirge geschützten Ebenen mit guten Böden bei Bunyola, Selva, Lloseta und Inca zu finden. Aber auch in den Gemeinden Andratx, Soller, Calvia, Felanitx und Santanyi kann man üppig blühende Mandelbäume erleben. Es soll zwischen 6 und 7 Millionen Mandelbäume auf Mallorca geben, und das seit über 1.000 Jahren, als noch die Araber die Insel besetzt hatten. Die Mandelernte beginnt im September und bringt einen durchschnittlichen Ertrag von 1.000 Tonnen p.A.

Das wunderschöne Naturschauspiel der Mandelblüte

Name

Der Name der Insel Mallorca stammt aus dem Lateinischen. Die Römer nannten die Insel „insula maior“ (die größere Insel) im Vergleich zu den Schwesterinseln Menorca („die kleinere“), Ibiza und Formentera.

Oliven

Bereits seit der Zeit der Handelsbeziehungen der Phönizier und Griechen mit Mallorca gibt es Olivenbäume und Ölproduktion auf Mallorca. Der intensive Handel mit Olivenöl setzte in römischer Zeit ein. Einen Höhepunkt hatte die Olivenproduktion im 16. Jahrhundert. Von Soller aus wurde das kostbare Öl nach Nordafrika und Frankreich verschifft. Obwohl der Handel mit Olivenöl heutzutage einer starken internationalen Konkurrenz ausgesetzt ist, werden heute noch 11.000 ha Land  mit 750.000 Olivenbäumen bewirtschaftet. Ein großer Teil der Olivenbäume auf Mallorca ist zwischen 300 und 500 Jahre alt.

Steinalte Olivenbäume mit ihren typisch knorrigen Stämmen säumen den Weg

Pa amb Oli

Die schlichte Mahlzeit der Mallorquiner „Pa amb Oli – Brot mit Öl“ gilt heute als Delikatesse. Entweder als kleine Mahlzeit zwischendurch oder zu Beginn eines Mittagessens. Was braucht man dazu: das mallorquinische, salzlose Graubrot (aber auch Weißbrotsorten werden verwandt), Tomaten – besonders beliebt die mallorquinischen Ramellet-Tomaten, ein intensiv schmeckendes Olivenöl, Salz, Pfeffer, Knoblauch, Oliven, Rosmarin. Käse aus Mallorca oder Schinken, wenn`s beliebt.

Die Zubereitung ist einfach: Fingerdicke Brotscheiben werden getoastet oder auf den Grill gelegt. Manche benutzen auch eine Stielpfanne zum Rösten. Das Brot mit einer Knoblauchzehe einreiben. Dann werden die Tomaten hälftig geschnitten und auf dem Brot zerrieben, bis es mit dem Saft durchtränkt ist. Dann mit Salz und Pfeffer würzen und vorsichtig Öl darauf träufeln. Das „puristische Pa amb Oli ist fertig. Wer will, kann als Beilagen mallorquinischen Käse oder Serrano-Schinken verwenden. Eine einfache, aber leckere Mahlzeit.

Pa amb Oli in der Variante mit Serrano-Schinken

Perlen von Mallorca

„Mallorca-Perlen“ sind seit über 100 Jahren einer der Exportschlager der Insel. In den Verkaufs- und Produktionsräumen den Mallorcas Perlen-Herstellern wurden schon viele internationale Gäste und Käufer aus Königshäusern, Film und Fernsehen, Politik und Wirtschaft gesehen, die die „Mallorca-Perlen“ zu schätzen wissen. Auf Mallorca werden die Mallorca-Perlen im Wesentlichen von den Unternehmen Perlas Majórica in Manacor und Perlas Orquidea in Montuir hergestellt. Die Perlenproduktion dieser Unternehmen erfolgt ausschließlich auf Mallorca, wenngleich Majórica Kleinteile wie Goldverschlüsse in Asien produzieren lässt. Mallorcas Perlen-Produzenten haben an ihren jeweiligen Standorten große Show-Rooms, in denen die Produkte angeboten und verkauft werden. Auch die aufwendigen Produktionsverfahren werden vorgeführt.

Die in einem künstlichen Verfahren hergestellten Perlen-Imitationen lassen sich kaum von echten Perlmittperlen unterscheiden. Die Mallorca-Perle hat aber entscheidende Vorteile zur echten Perle: Sie ist beständig gegen Schweiß, Make-Up, Hitze, Parfum und mechanische Einwirkungen. Grund genug, sich mit der „Mallorca-Perle“ zu befassen. Vater und Erfinder der Mallorca-Perle war ein deutscher Ingenieur mit Namen Eduard Hugo Heusch, der um 1890 in Paris und dann in Barcelona experimentierte, um eine Perlen herzustellen, die den echten Perlen täuschend ähnlich sehen und möglicherweise gegen äußere Einflüsse besser geschützt wären. Am Ende der Forschung stand ein Polymerisierungsverfahren, das wie folgt vor sich geht: Ein künstlicher kleiner, gehärteter Kern wird auf einer Spezialhalterung befestigt und dann vielfach in eine dicke Flüssigkeit aus Faunateilchen des Meeres wie z.B. Fischschuppen und Muschelsand getaucht. Schicht für Schicht wird dann mit einem Gasbrenner stark erhitzt, so dass sich die einzelnen Moleküle der Faunateilchen zu größeren Molekülen zusammenschließen. Diesen Vorgang nennt man Polymerisieren. Bei diesem Verschmelzungsvorgang wird auch die Farbtönung beigemischt. Danach wird die Perle geschliffen. Perlen aus Mallorca werden auch heute noch überwiegend in Handarbeit oder in einem teilautomatisierten Verfahren hergestellt.

Schneeweiße Perlen – faszinierend und begehrenswert

Salz von Mallorca

Ein beliebtes Reisemitbringsel von Mallorca ist das „Flor de Sal d`Es Trenc“, das sich international einen guten Namen als hochwertiges Naturprodukt gemacht hat. Anders als gewöhnliches Kochsalz ist das Flor de Salz ein reines Naturprodukt, d.h. während des gesamten Gewinnungsprozesses wird dem salz nicht entzogen und auch nichts hinzugefügt. Die Salzgewinnung erfolgt per Hand, und nach der Ernte erfolgt die Trocknung allein durch die Sonne Mallorcas. Der Hersteller erklärt, dass das Salz 80 lebenswichtige Mineralien und Spurenelemente enthalte. Zur Ernte wählt man die Tage mit viel Sonne und geringer Luftfeuchtigkeit. Bei einem sanften Wind von Südsüdost kristallisieren die Salzblumen (daher Flor de Sal). Das Salz schwimmt dann auf der Wasseroberfläche und wird dann mit langen Rechen abgeschöpft. Danach trocknet es auf langen Tischen, um dann schließlich naturbelassen zu bleiben oder mit Kräutern, Gewürzen, Blüten oder Oliven verfeinert zu werden. Die Salines d`Es Trenc findet man an der Carretera Campos – Colonia de Sant Jordi, Km 10.

Salzgewinnung über Wasserverdunstung in Ses Salines

Siurells

Siurells, die Keramikfiguren mit Flötentönen, sind heute ein beliebtes Souvenir für Mallorca-Touristen, sie werden auch als Spielzeug benutzt. Man weiß aber nicht wirklich, wozu sie ursprünglich dienten. Die Figuren stellen meist Reiter, Frauen oder Fabelwesen dar, wie z.B. Teufel, Hunde mit zwei Beinen oder Esel mit Flügeln. Im Innern haben die Siurells eine oder zwei Pfeifen. Archäologische Funde belegen, dass es vergleichbare Figuren schon im 12. Jahrhundert auf Mallorca gegeben hat. Man vermutet jedoch, dass sie ursprünglich aus Griechenland oder Italien stammen, wenngleich ähnliche Figuren auch in Südamerika und sogar Russland bekannt sind. Zentrum der Herstellung der Siurells ist die Gemeinde Marratxi, wo auch jährlich die Töpfermesse „Fira del Fang“ stattfindet und auf dem Markt Siurells in allen möglichen Gestaltungsformen zu erwerben sind. Ausgangsmaterial ist eine Tonart (LLamuga), die gebrannt und danach gekalkt wird.  Auf den weißen Grund werden dann bunte Strich- und Punktmalereien angebracht. Experten können an der Farbzusammenstellung feststellen, aus welchem Dorf ein Siurell stammt.

Siurells, typische handbemalte mallorquinische Figuren

Sobrasada de Mallorca

Auf den Märkten oder beim Metzger hängen sie an Stangen in ihrer typischen unregelmäßigen, länglichen Form mit einer leicht runzligen, dunkelroten Oberfläche und lassen dem Betrachter das Wasser im Mund zusammenlaufen – die mallorquinischen Würste „Sobrasada de Mallorca“. Ja, die Sobrada ist eine ganz besondere Wurst aus Schweinefleisch, Speck, Salz, süßem Paprikapfeffer und Gewürzen. So besonders, dass die Herkunftsbezeichnung „Sobrasada de Mallorca“ nach europäischem Recht seit 1996 geschützt ist. Ebenso die „Sobrasada de Mallorca de Cerdo Negro“, eine besondere Art der Sobrasada, die ausschließlich aus dem Fleisch des auf Mallorca beheimateten schwarzen Schweins hergestellt wird. Es gibt in der Literatur Hinweise, dass schon im 17. Jahrhundert die Sobrasada in der Küche Mallorcas ein beliebtes Lebensmittel war. Erzählungen berichten von großen Schlachtfesten (mantances) rund um das mallorquinische Schwein und die Sobrasa. Im 20. Jahrhundert griff man alte Rezepte wieder auf, und die Sobrasada erfreute sich neuer Beliebtheit auf Mallorca.

Die Herstellung der Sobrasada erfolgt nach traditioneller Überlieferung: Am Anfang steht der Fleischwolf, durch den das Schweinefleisch in kleine Teile von 3 bis 5 mm zerkleinert wird. Bei diesem Prozess und den Kontakt mit Sauerstoff werden Enzyme und Mikroorganismen freigesetzt. Danach wird die Fleischmasse mit Salz, edelsüßem Paprika und diversen Gewürzen  durchgewalkt und dann in Därme gepresst. Es folgt ein Reifeprozess in Trockenkammern bei Temperaturen von 14 – 16 Grad und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 70 % bis 85 %. Die Reife hat zur Folge, dass die Sobrasada ihren charakteristischen Geschmack, ihre Farbe, Konsistenz und Haltbarkeit erreicht. Das faserarme Endprodukt lässt sich gut auf ein Brot schmieren und entfaltet ein charakteristisches Geschmacksaroma mit einer feinen Paprikanote.

Die Sobrasada als leckerer Brotaufstrich

Sprachen

Auf Mallorca werden zwei Sprachen gesprochen, nämlich Spanisch (Kastilisch, Castellano) und Katalanisch. Spanisch und Katalanisch sind zwei selbständige Sprachen, so dass die häufige Aussage, Katalanisch sei ein Dialekt des Kastilischen falsch ist. Allerdings ist das auf Mallorca gesprochene Mallorquin ein Dialekt des Katalanischen (was allerdings von national bewussten Mallorquinern bestritten wird).

Seit der Rückeroberung der Insel 1229 durch Jaime I war Katalanisch die Sprache der Insel. Anfang des 18. Jahrhunderts setzte sich Kastilisch als Amtssprache durch und galt ab 1716 auch als verbindliche Unterrichtssprache. Unter Franco wurde das Katalanisch unterdrückt und setzte sich gerade deshalb nach Francos Tod wieder durch. Seit 1978 ist Spanisch die Amtssprache für ganz Spanien. Katalanisch ist jedoch eine gleichberechtigte Amtssprache. Gerade in den Wahlkämpfen wird der Sprachenstreit immer wieder angefacht. Derzeit werden amtliche Veröffentlichungen oft nur in Katalanisch verfasst. Katalanisch wird von etwa 9 Millionen Menschen gesprochen, in Spanien in den drei Autonomen Regionen Katalonien, Valencia und den Balearen.

Strände

Langgezogene, weiße Traumstrände, kleine Badebuchten mit Sandstrand, fjordartige Buchten an der Felsküste – so vielfältig sind die Strände Mallorcas. 179 Strände zählt die offizielle Statistik. Zusammengezählt ergibt dies einen Küsten-Strandstreifen von etwa 50 km. Die Küste Mallorcas hat 491 km, und damit sind etwa 10 % der Küstenlinie Strände. Finden Sie hier die schönsten Strände Mallorcas.

Ein Blick auf Mallorcas berühmtesten Strand “Es Trenc”

Tramuntana-Gebirge – seit 2011 Weltkulturerbe

Steilhänge, tiefe Schluchten und Felsküste kennzeichnen das 90 Kilometer lange und 25 Kilometer breite Tramuntana-Gebirge, das 2011 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt wurde. In ihrer Bewerbung hatte das zuständige Inselratsdezernat sowohl die einzigartige Flora und Fauna des Gebirges hervorgehoben, als auch Landschaft, Kultur, Geschichte, archäologische Fundstellen, Architektur der Bergdörfer, traditionelle Handwerke und geologische Besonderheiten.
Mit Hilfe von Stützmauern wurden die steilen Hänge, wo immer möglich, im Laufe von Jahrhunderten terrassiert und insgesamt 20 Prozent des gesamten Gebiets für die Landwirtschaft nutzbar gemacht. Steinmauern prägen also nicht nur das Landschaftsbild, sondern haben die Tramuntana in der heutigen Form überhaupt erst bewohnbar gemacht.
Ein Highlight des mallorquinischen Gebirges ist die Wanderroute GR 221. Der Weg ist ganzjährig begehbar und für Wanderfreunde jeden Alters geeignet. Man muss natürlich bedenken, dass es sich um einen Fernwanderweg handelt. So gibt es kaum Rundstrecken und die meisten Etappen sind Tagestouren mit bis zu neun Stunden Gehzeit, wobei selbst geübte Wanderer für die meisten Etappen länger brauchen werden, als auf den Schildern angegeben.
Sechs Herbergen – jeweils am Ende jeder fertiggestellten Etappe – stehen den Wanderern zur Verfügung: Can Boi (Deià), Muleta (Sóller), Tossals Verds und Son Amer (Escorca), Pont Romà (Pollença) sowie die Herberge des Castell d’Alaró.

Ein Traumblick über die Felsen Richtung Norden

Trockenmauern

Fast so bekannt wie die Windmühlen sind Mallorcas Trockenmauern – Steinmauern, die Grundstücke oder an Berghängen Terrassierungen begrenzen. Besonders an den Berghängen dienten sie dazu, bei Regenfällen das Fortschwemmen der wertvollen Bodens zu verhindern. Die Bauweise soll auf die Talayot-Kultur zurückgehen, wenngleich die Trockenmauern verstärkt ab dem 14. Jahrhundert auf Mallorca errichtet wurden. Das Fundament von Trockenmauern, die meist eine Höhe bis 1,50 m haben, hat meist eine Breite von 90 cm und besteht aus besonders großen Steinen. Etwas kleinere Steine werden dann nach oben aufgeschichtet, wobei sich die Mauern nach oben verjüngen. Der in der Mitte entstehende Hohlraum wird mit kleinen Steinen, Geröll und Sand aufgefüllt. Es werden keine zusätzlichen Verbund- und Befestigungsmaterialien wie z.B. Mörtel oder gar Zement verwandt. Oben gibt es dann wieder eine Abschlußreihe mit größeren Steinen. Die Trockenmauer-Bauer heißen „Margers“. Ihre Werkzeuge sind Hammer, Meißel, Keile und Winkeleisen. Seit 1986 gibt es für dieses fast ausgestorbene, aber anerkannte Handwerk in Soller sogar eine Schule (Escola de Margers).

Typisch mediterrane Natursteinmauern säumen blühende Mandelbäume

Wasserversorgung

Die durchschnittliche Regenmenge auf Mallorca beträgt 550 l/m²/Jahr. Zum Teil versickert dieses Regenwasser und wird in riesigen, natürlichen, unterirdischen Depots gespeichert. Zusätzlich speichern zwei Stauseen 10 Millionen m³ Wasser, womit allerdings gerade einmal Palma versorgt werden könnte. Das unterirdisch gelagerte Wasser wird über Brunnen mittels Pumpen gefördert und für den Verbrauch aufbereitet.

In den trockenen Sommermonaten muss das Wasserwirtschaftsamt (Abaqua) immer wieder eine Vorwarnung aussprechen, weil die Regenmengen unter dem Durchschnitt liegen und der Pegelstand des Grundwassers bedeutsam sinkt. Die Gemeinden werden dann aufgefordert, sparsam mit dem Wasser umzugehen. Das kann im Extremfall zu Verboten führen, Gärten zu sprengen oder Swimmingpools zu füllen.

Um die Grundwasserreserven zu schonen, wurden auf den Balearen mehrere Meerwasser-Entsalzungsanlagen gebaut. Wegen der hohen Stromkosten werden diese aber nur in Notfällen in Betrieb genommen. Mit einem aus der Touristensteuer finanzierten Pilotprojekt studiert man derzeit die Möglichkeit, die Grundwasserreservoirs mit entsalztem Meerwasser aufzufüllen. Mallorcas Meerwasser-Entsalzungsanlagen können pro tag 80.000 Kubikmeter Wasser produzieren. In den Sommermonaten besteht ein täglicher Bedarf von 101.000 Kubikmeter, so dass bei Nutzung der vollen Kapazität nur noch 30.000 Kubikmeter Grundwasser benötigt werden. Ein weiteres Projekt betrifft die Sanierung der vorhandenen Wasserleitungen. Die Verluste durch marode Leitungssysteme werden auf 25 % geschätzt.

Der Staussee “Gorg Blau” im Tramuntana-Gebirge

Wein

Schon in der römischen Besatzungszeit wurde auf Mallorca Wein angebaut. International gehandelt wurden Weine aus Mallorca bereits im 13. Und 15. Jahrhundert. Durch eine Reblaus-Plage 1891 wurden zahlreiche Weinkulturen zerstört und durch Mandel- und Olivenplantagen ersetzt. Erst in den letzten 50 Jahren erlebte der Weinanbau auf Mallorca eine Wiedergeburt. Zunächst wurde Masse produziert, heute auch Weine mit Klasse, die internationale Auszeichnungen erlangen. Die Gesamtanbaufläche liegt bei 2.300 ha. Die jährliche Produktion beträgt 54.000 Hektoliter. Im Jahre 2017 teilten sich die 54.000 Hektoliter wie folgt auf; 44 % Rotwein, 32 % Weißwein, 24 % Roséwein. Obwohl die Preise 2017 bei fast allen Bodegas um 10 % – 15 % anzogen, berichten alle über gute Umsatzzahlen. Einige Bodegas sind schon früh ausverkauft, so dass man rechtzeitig bestellen muss.

Mallorcas Weine probiert man bestenfalls in den zahlreichen Bodegas

Windmühlen

Seit Jahrhunderten prägen Windmühlen das Landschaftsbild Mallorcas. Nur auf Kreta soll es weltweit mehr Windmühlen auf vergleichbarer Fläche geben. Unterschieden wird zwischen Windmühlen zum Mahlen des Getreides und Wasserwindmühlen. Von den Getreidemühlen – man erkennt sie an den hölzernen Flügeln und den spitzen Mützen – gab es einmal etwa 1.000 auf der Insel, von den deutlich kleineren Wassermühlen mit der pfeilförmigen Windfahne 2.500. Aus dieser Unterscheidung ergeben sich auch die unterschiedlichen Aufgaben: Die Getreidemühlen dienten dem Mahlen des Getreides, die Wassermühlen der Förderung des Wassers für die Landwirtschaft und die bäuerliche Bevölkerung. Ein Verein kümmert sich heute um Restaurierung und Erhalt der Mühlen, von denen viele verfallen sind und nur noch ganz wenige ihrem früheren Bestimmungszweck dienen.

Eine typisch mallorquinische Windmühle aus der Vogelperspektive

Zungenstoffe (Llengues) aus Mallorca

In Fincas und Landhäusern schmücken die traditionellen Zungenstoffe (Llengues) als Gardinen die Fenster, sie bedecken Betten und Sofas, und man findet sie als Bezüge für Kissen oder als Tischdecken. Ihren Namen haben sie wegen des zungenartigen Musters in traditionellem Blau, Rot oder Gelb auf weißem Grund. Gewebt aus Baumwolle und Leinen, kennt man die Zungenstoffe auf Mallorca seit Jahrhunderten. Wahrscheinlich kommt die Webart aus Ostasien und wurde von den Mauren nach Mallorca gebracht. Stoffe aus alter Zeit belegen noch eine Webart mit Baumwolle und Seide, die jedoch heute wegen der höheren Kosten kaum noch zu finden ist. Derzeit produzieren nur noch drei Betriebe auf Mallorca diese Zungenstoffe, nämlich Bujose in Santa Maria, Vicens in Pollensa und Riera in Lloseta. Die Stoffe werden auf großen Webstühlen hergestellt. Das Garn wird vor der Verarbeitung mit der Hand eingefärbt. Neuerdings haben sich auch junge Designer der Zungenstoffe angenommen und schaffen mit ihnen neue Produkte: Lampenschirme, Einbände von Büchern, Handtaschen, Badeaccessoires und textile Wandverkleidungen. In Pollensa gibt es sogar ein Museum, in dem die Geschichte der Llengues – Webkunst dargestellt wird.

Handgemachte mallorquinische Stoffe